Knorpelschaden – was tun?

Ein Knorpelschaden ist ein häufiger Grund für eine Arztkonsultation. Hier erfahren Sie mehr über einen Knorpelschaden, dessen Entstehung sowie konservative und operative Therapieverfahren. Das Kniegelenk ist am häufigsten betroffen und wird in diesem Artikel besonders hervorgehoben.

Eine Beschädigungen des Gelenkknorpels kann einerseits oberflächlich mit kleinen Rissen auftreten, anderseits aber den ganzen Knorpel im Gelenk betreffen. Dadurch tritt die raue, schmerzhafte Oberfläche des Knochens hervor.

Die Klassifizierung eines Knorpelschadens erfolgt häufig nach Outerbridge:

Grad 0 normal, keine erkennbaren Defekte
Grad 1 leichte Erweichung des Knorpels und/oder oberflächliche Risse/Fissuren im Knorpel
Grad 2 die Tiefe des Knorpelschadens erreicht weniger als die Hälfte (<50%) der gesamten Knorpeldicke
Grad 3 die Tiefe des Knorpelschadens erreicht mehr als die Hälfte (>50%) der gesamten Knorpeldicke
Grad 4 die gesamte Knorpelschicht fehlt, der unter dem Knorpel gelegene Knochen liegt frei

(Klassifikation nach Outerbridge)

Arthrose ist ein Gelenkverschleiß, der mit einer Schädigung des Knorpels einhergeht. Mit ca. 5 Millionen Betroffenen in Deutschland und 500.000 Betroffenen in Österreich ist es die häufigste aller Gelenkserkrankungen. Dabei baut sich der schützende Überzug der Gelenke immer mehr ab, sodass langfristig die angrenzenden Strukturen wie Knochen, Gelenkspalt, Sehnen, Bänder und Muskeln in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Wozu Dient der Knorpel?

Eine ca. 5 mm dicke Knorpelschicht bedeckt den Knochen im Gelenk. Die glatte Oberfläche des Knorpels ermöglicht eine reibungslose Beweglichkeit des Gelenks. Zusätzlich bewirkt der Knorpel eine gleichmäßige Verteilung von Druck- und Stoßbelastung auf den darunterliegenden Knochen. Dadurch wird der Knochen geschützt, und Überbelastungen werden reduziert. Der Knorpel hat keine Nerven und wächst nach der Pubertät nicht mehr weiter. Die gebildete Knorpelschicht begleitet uns das ganze Leben.

Wie kommt es zu einem Knorpelschaden?

Ein Knorpel wird im Laufe der Jahre zunehmend abgenutzt und verliert die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Die Knorpeloberfläche wird dadurch spröde und bekommt Risse. Diese spröde Oberfläche ist anfälliger für Schläge und Scherkräfte. Da der Knorpel keine Schmerzfasern hat, spüren wir diese Veränderung am Anfang nicht. Vielleicht fällt ein Reibgeräusch (Krepitation) bei stärkerer Belastung auf. Im Gegensatz zum Knorpel besitzt der Knochen Schmerzfasern. Liegt der Knochen frei, spüren wir das betroffene Gelenk mit dem entsprechenden Schmerz.
Der Gelenkknorpel kann aber auch durch chronische Fehlbelastung oder einen Unfall (Trauma) beschädigt werden.

Woran erkennt man einen Knorpelschaden?

Ein kleiner Knorpelschaden im Gelenk kann zu massiven Einschränkungen führen und verursacht belastungsabhängige Schmerzen, Geräusche sowie Gelenkschwellungen. Der Knorpel nutzt sich stetig weiter ab, was schlussendlich zu einer Arthrose führt.

Das Ausmaß der Beschwerden ist abhängig von der Grösse und Tiefe des Knorpeldefekts sowie dessen Lokalisation.
Beim chronischen Knorpelschaden berichten die Patienten über Anlauf-, Belastungs- und Entzündungsschmerzen. Das Gelenk ist geschwollen und die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Bei einem Knorpelschaden im Kniegelenk haben die Patienten zusätzlich einen unsicheren Gang. Das Knie fühlt sich instabil an und knickt zum Teil weg.

Diagnose

Ist ein Knorpelschaden vorhanden, bedarf es einer genauen klinischen Untersuchung und einer radiologischen Abklärung (Röntgen) sowie eines MRT des Kniegelenks. Gegebenenfalls müssen noch weitere Abklärungen durchgeführt werden, wie z.B. eine Aufnahme des gesamten Beins, um die Stellung der Beinachse zu bestimmen. Um die Rotation vom Kniegelenk zu ermitteln, kann ein Rotations-CT durchgeführt werden. Alle diese Befunde müssen genau analysiert werden, denn eine Knorpeltherapie kann nur erfolgreich sein, wenn bestehende Missstände, wie z.B. ein seitlicher Verlauf der Kniescheibe, beseitigt werden.

Ein symptomatischer Knorpelschaden bei jungen Patienten sollte operativ versorgt werden, um einerseits die Bildung einer Arthrose im Kniegelenk zu verhindern bzw. zu verlangsamen und andererseits die schmerzfreie Ausführung sportlicher Aktivitäten wieder zu ermöglichen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die Erholungsphase (Rehabilitation) lange andauern kann (bis zu einem Jahr).

Behandlungen

Der Knorpelschaden sieht je nach Ursache, ob unfallbedingt (akut) oder abnutzungsbedingt (chronisch), unterschiedlich aus und wird entsprechend anders behandelt. So haben wir beim akuten Knorpelschaden einen klar umschriebenen Defekt (Stanzdefekt) gegenüber dem gesunden Knorpel mit scharfen Abschlussrandkanten. Beim chronischen Knorpeldefekt ist dies nicht der Fall. Wird der Knorpeldefekt nicht behandelt, kommt es zur weiteren Knorpelabnutzung im Gelenk und im weiteren Verlauf zu einer Gelenksarthrose.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie bei Knorpelschäden ist sehr eingeschränkt. Nach der Pubertät verliert der Knorpel sein Selbstheilungspotenzial, d. h., ab diesem Zeitpunkt müssen wir mit dem Knorpel das ganze Leben auskommen. Aus diesen Gründen führt der natürliche Verlauf eines Knorpelschadens zu einer Verschlechterung. Der Knorpelschaden wird mit der Zeit grösser und tiefer, was zu einer klinischen Verschlechterung mit entsprechenden Schmerzen und Einschränkungen im Alltag und bei sportlicher Aktivität führt. Mit einer konservativen Therapie kann ein Knorpelschaden nicht geheilt, sondern nur gelindert werden, indem der Knorpelverschleiß verlangsamt wird. Folgende konservative Therapien sind möglich:

Hyaluronsäure:

Hyaluronsäure ist ein Bestandteil der extrazellulären Matrix (EZM oder ECM) von Wirbeltieren. Sie liegt in vielerlei Geweben als langkettiges, lineares Polysaccharid vor. Die Hyaluronsäure besitzt die Fähigkeit, sehr große Mengen an Wasser zu binden. So besteht der Glaskörper des menschlichen Auges zu 98% aus Wasser, das an nur 2% Hyaluronsäure gebunden ist. Die hohe Druckbeständigkeit des Wassers bleibt auch in hyaluronsäurehältigem Gewebe gültig.

Die Therapie mit Hyaluronsäure kann vor allem in frühen Stadien von Knorpelverletzungen zur deutlichen Verbesserung der Symptomatiken führen. Diese symptomatische Verbesserung kann bei einzelnen Patienten über Monate oder Jahre anhalten.

Eigenbluttherapie (PRP/ACP® – Arthrex)

Bei der ACP-Therapie wird der Wirkstoff vom Arzt individuell für den Patienten hergestellt. Hierfür wird dem Patienten eine geringe Menge Blut entnommen und anschließend mit einer Spezialzentrifuge körpereigenes (autologes) Blutplasma vom Rest des Blutes getrennt. Die Wirkstoffe im Blutplasma – vor allem Blutplättchen (Thrombozyten) und Wachstumsfaktoren – werden dadurch konzentriert. Dieses sogenannte plättchenreiche Plasma ist das ACP – ein körpereigener, biologischer Wirkstoff ohne Zusatz von anderen künstlichen Substanzen oder Medikamenten. Dieses ACP wird vom Arzt direkt in die erkrankte Körperregion gespritzt. Das Aufbereitungssystem für das Blut beim Arzt ist geschlossen, steril und schützt somit vor Infektionen.

Vorteile der ACP Eigenbluttherapie:

  • Gute und schnelle Wirksamkeit.
  • Gute Verträglichkeit.
  • Steril.
  • Ambulant und unkompliziert:
    Die Behandlung mit ACP erfolgt ambulant. Nach einem Beratungsgespräch mit gründlicher Voruntersuchung kann die ACP-Therapie in der Arztpraxis durchgeführt werden.
  • Natürlich:
    Die Wirkstoffe von ACP sind biologisch und zu 100 Prozent verträglich, da sie aus dem eigenen Körper stammen. Das entnommene Eigenblut wird auf mechanische Weise so aufbereitet, dass sich binnen 5 Minuten hochkonzentriertes Blutplasma absetzt.

Die ACP-Behandlung kann eingesetzt werden bei:

  • Arthrose / beginnende Arthrose
  • Bandverletzungen
  • Meniskusschäden
  • Läuferknie
  • Achillessehnenschmerzen
  • Tennisellenbogen / Golferellenbogen
  • Fersensporn
  • Muskelverletzungen (Muskelfaserriss)

Physiotherapie

Analgesie (Schmerzmittel)

Akupunktur / Osteopathie

Weiteres:

Auf eigenes Gewicht achten oder dieses reduzieren, gesunde ausgewogene Ernährung, regelmässiges Training mit geführten Bewegungen wie Schwimmen oder Radfahren.

Operative Methoden

Die operative Therapie des Knorpelschadens richtet sich nach der Grösse (Ausdehnung) und Tiefe des Defektes und muss individuell angepasst werden. Zudem spielen Faktoren wie Intaktheit des freiliegenden Knochens, Knorpelqualität auf der gegenüberliegenden Seite des Defekts und das Alter des Knorpeldefekts eine entscheidende Rolle. Des Weiteren gilt: Je jünger der Patient ist, desto grösser sind die Erfolgsaussichten der unten beschriebenen Methoden für den akuten Knorpelschaden. Dazu zählen:

Knorpelshaving:

Hierbei wird der aufgebrochene Knorpel bei einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) geglättet, sodass es zu einer Verbesserung der Gleitfähigkeit kommt und der Knorpel sich nicht so schnell abnutzt. Dies wird bei Knorpelschäden Grad II & III durchgeführt.

Mikrofrakturierung:

Zuerst wird der Knorpeldefekt so präpariert, dass ein sauberer, stabiler Knorpelrand vorhanden ist. Anschließend werden mit dem Bohrer oder speziellen Ahlen kleine Löcher im freiliegenden Knochen angebracht. Aus diesen Löchern kommt Blut aus dem Knochen, das Stammzellen enthält. Diese Stammzellen können sich unter anderem in Knorpel umwandeln und so den freiliegenden Knochen wieder schützen. Diese Methode wird meistens arthroskopisch (Gelenkspiegelung) angewendet und eignet sich für kleinere Knorpeldefekte (< 2,5 cm2).

Knorpeltransplantation (ACT)

(Autologous Cartilage Transplant = autologe Knorpeltransplantation)

Bei der autologen Knorpeltransplantation – auch Chondrozyten-Transplantation – entnimmt man körpereigenes Knorpelgewebe und vermehrt es im Labor. In einer weiteren Operation wird dieses gezüchtete Knorpelgewebe in die betroffene Stelle im Gelenk eingepflanzt, um die zerstörte Konrbeloberfläche wiederherzustellen.

Die ACT-Methode ist vor allem für Patienten mit Kniegelenksarthrose (Gonarthrose), Hüftarthrose (Coxarthrose), Sprunggelenksarthrose und Schulterarthrose geeignet.

AMIC.

AMIC® (Autologe Matrixinduzierte Chondrogenese) ist eine chirurgische Technik, die von Geistlich Surgery entwickelt wurde, um Knorpeldefekte zu behandeln. Es handelt sich um ein gängiges Verfahren zur Behandlung von Patienten mit größerer Schädigung des Gelenkknorpels, die bis auf den Knochen reicht. AMIC® ist eine verbesserte Methode der Mikrofrakturierung, bei der chirurgisch sehr kleine Öffnungen im Knochen eingefügt werden. Dabei werden Stammzellen aus dem Knochenmark frei und bilden im defekten Knorpelbereich ein Blutgerinnsel, den sogenannten „Superclot“. Das Blutgerinnsel wird durch eine implantierte Kollagenmembran (Chondro-Gide®) abgedeckt und geschützt. Das Implantat beschützt nicht nur die Stammzellen, sondern stimuliert die Zellen auch zur Bildung von knorpelartigem Reparaturgewebe.

Knorpelrefixation

Die oben erwähnten Operationstechniken werden vorwiegend bei akuten Knorpeldefekten angewendet. Neben dem Alter spielt auch die Gegenseite des Knorpeldefekts eine Rolle. Diese sollte keinen größeren Schaden aufweisen, ansonsten kann die raue Oberfläche das Operationsresultat negativ beeinflussen. Eine weitere Möglichkeit zur Deckung von eher chronischen Knorpeldefekten ist der künstliche Ersatz des verletzten Knorpels.

Ist der Knorpelverschleiß so weit fortgeschritten, dass schlussendlich Knochen auf Knochen reibt (Endstadium der Arthrose), ist eine Teilprothese (z.B. eine Schlittenprothese, ein Kniescheiben-Gleitersatz) oder ein kompletter Oberflächenersatz nötig. Auch eine Korrektur von O-/X-Beinen (sog. Korrekturosteotomie) ist manchmal erforderlich.

Neuartige Knorpeltherapie

Bei dieser neuartigen Knorpeltherapie, welche minimalinvasiv durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt werden kann, wird körpereigenes Knorpelgewebe verwendet. Alle Schritte werden in der gleichen Operation durchgeführt. Dabei wird gesunder Knorpel an den Rändern des Knorpeldefektes entfernt und allenfalls zusätzlich an Orten im Kniegelenk, welche weniger belastet werden. Diese gesunden Knorpelstücke (Chips) werden gesammelt und anschließend mit dem Gewebeklebstoff (Thrombin) vermischt, welcher aus dem eigenen Blut gewonnen wird. Mit der daraus resultierenden Knorpelstück-Paste wird der Knorpeldefekt aufgefüllt. Anschließend wird der gefüllte Knorpeldefekt mit Partikeln des eigenen Blutes, welche viele Wachstumsfaktoren besitzen, benetzt. Dadurch werden die Knorpelzellen in den eingesetzten Knorpelstücken aktiviert, welche dann über Monate einen neuen Knorpel bilden.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung muss der vorausgegangenen Operation individuell angepasst werden. Erfolgte eine Knorpeltherapie im Knie, muss das Kniegelenk für sechs Wochen mithilfe von Unterarmgehstützen entlastet werden. In den ersten zwei Tage wird das Kniegelenk in einer speziellen Schiene ruhiggestellt. Diese Schiene sollte anschliessend für 6 Wochen nur nachts getragen werden. In den ersten zwei Wochen ist eine Beugung des Kniegelenks tagsüber um 30° erlaubt (Verwendung einer Orthese mit Gelenk). In der zweiten bis vierten Woche ist eine Beugung bis 60° möglich und in der vierten bis sechsten Woche eine Beugung bis 90°. Während dieser sechs Wochen ist das Gehen nur mit Unterarmgehstützen erlaubt mit einer maximalen Belastung von 15 kg. Die Rückkehr zum Sport beginnt schrittweise sechs Monate nach der Operation. Vollkontakt-Sportarten sollten erst 12 Monate nach der Operation wieder aufgenommen werden.

Patienten mit einem Oberflächenersatz können das Kniegelenk sofort belasten und bewegen. Um die Weichteile zu schonen, werden jedoch Gehstöcke für ca. vier Wochen empfohlen.
Wichtig sind ferner eine mehrwöchige Physiotherapie mit Linderung der Schwellung sowie die Stärkung und Dehnung der Oberschenkelmuskulatur.

Wir beraten Sie gerne persönlich

Wir gewährleisten eine rasche, fachlich kompetente Abklärung und Beratung sowie eine Behandlung nach den modernsten Möglichkeiten. Gerne dürfen Sie bei uns auch eine Zweitmeinung einholen.

Dr. med. univ. René Könighofer

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

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